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Lexikon der Allergene

Allergen:

Erdnuss
 
Lebensmitteltyp: Nüsse;
 
Beschreibung Herkunft: Die zu den Schmetterlingsblütengewächsen gehörende Erdnusspflanze, Arachis hypogaea L., wurde bereits vor ca. 5000 Jahren in Bolivien domestiziert und kommt heute nur noch in der Kulturform vor. Die Wachstumsbedingungen sind 25 bis 28°C, 500 mm Niederschlag und ein möglichst lockerer Boden. Es handelt sich um ein einjähriges bis 80 cm hohes Kraut mit paarig gefiederten Blättern. Nach der Selbstbefruchtung der blattachselständigen Blüten wachsen die Fruchtträger in den Boden, wo sich während 4-6 Monaten in 5-6 cm Tiefe die Früchte ausbilden. Diese bestehen aus einer holzigen, netzrunzeligen, gelben Hülle, die zwischen den zwei bis maximal vier Samen leichte Einschnürungen aufweist. Letztere sind von einer papierdünnen rötlichen Schale umhüllt. Neben einem Eiweißgehalt von bis zu 27% wird in erster Linie das Fett der Erdnüsse, bis 52%, als Speiseöl, zur Margarine-, Kerzen- und Seifenherstellung genutzt. Auch dient es als Salben und Pomadengrundlage.
 
Zubereitung Verzehr: Neben dem vielseitigen Einsatz des Erdnussöls (s.o.) werden auch die Samen selbst sehr gern in geröstetem Zustand verzehrt. In den Erzeugerländern sind auch Produkte gekochter Nüsse wie Erdnussfladen, -brei und –milch üblich. Schließlich sei noch die Erdnussbutter erwähnt, welche aus gerösteten und ungerösteten Erdnüssen, Sojamehl, Honig und Malz oder Käse besteht. Erdnussbestandteile finden sich in vielerlei Gebäck, Flips und vielen asiatischen Speisen. Auch werden sie zunehmend so verarbeitet, dass sie Walnüsse und Mandeln imitieren, ohne dass dies deklariert werden muss. Selbst Kunststoffe, Linoleum, Klebstoffe, Bleichmittel und Shampoos können Erdnussbestandteile enthalten.
 
Allergologie: In Ländern, in denen Erdnüsse verbreitet genossen werden, zählen sie in zunehmendem Maße zu den bedeutendsten Nahrungsmittelallergenen. Eine Sensibilisierung kann beim ungeborenen Kind sogar im Mutterleib stattfinden oder nach der Geburt über die Muttermilch erfolgen. Eine manifeste Allergie besteht meist lebenslang. Erdnüsse können bereits in mg-Mengen massive und generalisierte Reaktionen auslösen. Selbst Scratch-Tests können systemische Reaktionen auslösen; von Provokations-Tests wird dringend abgeraten. Die Versorgung der Erdnussallergiker mit einem Notfallset wird empfohlen. Im Gegensatz zu kalt gepresstem Erdnussöl enthält heiß gepresstes (raffiniertes) sehr wenig Protein und wird daher von einem Teil der Erdnussallergiker vertragen. Auch die klinische Bedeutung einer Erdnussalllergie ist sehr hoch. Sie steht an der Spitze der lebensbedrohlichen oder gar tödlich verlaufenden Nahrungsmittelallergien. Das Spektrum der klinischen Erscheinungen reicht von oropharyngealen und gastrointestinalen Beschwerden bis zu Urtikaria, Quincke-Ödem, Asthmaanfall oder gar anphylaktischem Schock. Die Symptomatik verstärkt sich noch durch Alkoholgenuss oder körperliche Anstrengung. Trotz nachgewiesener Kreuzreaktivitäten zu anderen Leguminosen wie Erbsen, Bohnen und Linsen, ist keine generelle Leguminosen-Karenz erforderlich, da diese Allergietypen in der Regel ohne klinische Relevanz sind. Weiterhin sind Kreuzreaktionen nachgewiesen zu Gräser- und Beifußpollen, Tomaten und Latex.
 
Immunologie: Innerhalb der Speicherproteine lassen sich normalerweise unlösliche Gluteline, wasserlösliche Albumine und salzlösliche Globuline unterscheiden. Letztere enthalten Arachin und Conarachin. Die Albuminfraktion enthält Agglutinin, Phospholipase und Inhibitoren für Proteasen und alpha-Amylase. Die Allergenaktivität kann je nach Herkunft der Erdnüsse um den Faktor 5 schwanken. Durch Rösten sinkt die Aktivität auf etwa 25%. Majorallergene sind: Ara h 1 und Ara h 2, zwei Glycoproteine mit MG von 63 500 bzw. 17 000. Weitere Allergene: alpha-Arachin, MG 170 000 bis 600 000; Conarachin I, Komponenten von MG 142 000 u. 295 000; ConA-reaktives Glycoprotein, MG 65 000 Erdnussagglutinin, MG 31 000 Erdnussphospholipase D
 
Exposition von: Januar
 
Exposition bis: Dezember
 
Klinische Relevanz: schwer
 
Kreuzreaktivität:
    Vorkommen häufig
  • Tomate
    Vorkommen möglich
  • Sojabohne
  • Glaskraut, aufrechtes
  • Erbse
  • Beifuß, gewöhnlicher
  • Pfirsich
  • Latex
  • Linse

   

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