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Lexikon der Allergene

Allergen:

Sellerie
 
Beschreibung Herkunft: Der bereits im alten Ägypten zu kultischen Zwecken genutzte Sellerie, Apium graveolens L, wird spätestens seit der Zeitenwende im Mittelmeerraum kultiviert und gelangte im frühen Mittelalter auch nach Mitteleuropa. Die Kulturart stammt von der Variation graveolens ab, welche auf salzhaltigen Böden der Küsten von Mittelmeer und Atlantik vorkommt. Die zweijährige Pflanze bildet im ersten Jahr eine Sprossrübe mit Blattrosette aus. Beides kann im Spätsommer und Herbst geerntet werden. Die nicht winterharte Kulturform würde im zweiten Jahr unter Verbrauch der Speicherstoffe einen etwa 1 m hohen Infloreszenzspross ausbilden, der jedoch nur für die Samenbildung wichtig ist. Wie alle Doldengewächse enthält der Sellerie in sämtlichen Organen ätherische Öle, die den typischen Geschmack und Geruch bedingen. Bei den Kultursorten werden die Variation rapaceum (Mill.) Gaud., Knollensellerie, mit essbaren Sprossrüben und die Variation dulce (Mill.) Pers., Bleich- oder Staudensellerie, mit verlängerten, dickfleischigen Blattstielen unterschieden.
 
Zubereitung Verzehr: Vom Staudensellerie dient die Blattspreite zur Würzung von Suppen, Soßen und Dressings; die Blattstiele dienen als Gemüse oder Salat. Ferner wird auch Selleriegewürzsalz hergestellt und das ätherische Öl wird für Liköre verwendet.
 
Allergologie: Sellerieallergien sind seit vielen Jahrzehnten bekannt und stehen an der Spitze der Nahrungsmittelallergien bei Erwachsenen. Dabei zählt Sellerie zu den Allergenen, die besonders häufig Auslöser systemischer Reaktionen sind. Für eine hohe allergene Potenz spricht auch die Häufigkeit auftretender Larynxödeme. Weitere Symptome sind eine orale Kontakturtikaria bzw. eine generalisierte Urtikaria mit Quincke-Ödem, respiratorische und gastrointestinale Beschwerden sowie, auffallend häufig, schwere anaphylaktische Reaktionen. Dabei kann sowohl gekochter als auch roh genossener Sellerie zu allergischen Reaktionen führen. Das gekochte Nahrungsmittel wird jedoch deutlich besser vertragen als das rohe; das Kochwasser ist stark allergenhaltig. Die Sellerieallergie ist häufig mit einer Sensibilisierung gegenüber Birken- und Beifußpollen, Karotten und Gewürzen assoziiert (Sellerie-Beifuß-Birkenpollen-Karotten-Gewürzsyndrom). Hyposensibilisierungsbehandlungen sind in der Erforschung; noch stellt jedoch die Allergenkarenz die einzige therapeutische Möglichkeit dar, die sich jedoch deshalb schwierig gestaltet, weil Sellerie in vielen Gewürzmischungen als Selleriesalz enthalten ist, ohne daß dies gekennzeichnet sein muß. Kreuzreaktivitäten sind vielfach beschrieben worden und häufig auch klinisch relevant. Nachgewiesen sind sie Sie für Birken-, Gräser- und Beifuß- und Traubenkrautpollen, Kernobst, Wassermelone, Gurke und rohe Karotte, Paprika, Pfeffer, Kümmel und Koriander.
 
Immunologie: Majorallergen: Api g 1; MG 16 200; ev. Stressprotein; Api g 2; Stressprotein; Api g 3; Chlorophyllbindend; Aus der Gruppe der Stressproteine wurden homologe Vertreter in Petersilie, Kartoffeln und Sojabohnen nachgewiesen wurden. In die gleiche Gruppe gehören auch die Majorallergene der Pollen von Birke (Bet v 1), Erle (Aln g 1) und Hasel (Cor a 1). Zu Bet v 1 besteht eine Homologie von 41,8%. Bet v 1 hemmt Api g 1 vollständig. Umgekehrt ist die Hemmung unvollständig durch zusätzliche Epitope bei Bet v 1. Api g 2 ist in hohem Maße homolog zu Api g 1 und Bet v 1. Ferner wurde ein Profilin mit allergener Potenz nachgewiesen (MG 15 000). Weitere Allergene mit MG von 18 000, 40 000 und 60 000 wurden nachgewiesen und sind an diversen Kreuzreaktionen beteiligt.
 
Exposition von: Januar
 
Exposition bis: Dezember
 
Klinische Relevanz: schwer
 
Kreuzreaktivität:
    Vorkommen häufig
  • Karotte
  • Gurke
  • Melone
  • Beifuß, gewöhnlicher
  • Curry
  • Birke, Hänge-
    Vorkommen möglich
  • Latex
  • Mango
  • Tomate
  • Apfel
  • Hundszahngras
  • Sorgo (Sudangras)
  • Ambrosie, beifußblättrige
  • Koriander
  • Paprika, Gewürz-
  • Pfeffer
  • Kümmel
  • Fenchelsamen

   

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