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Kreuzallergien können auch Neurodermitis verschlimmern

HANNOVER – Viele Pollenallergiker entwickeln auch nach dem Verzehr bestimmter Nahrungsmittel (z.B. Äpfel, Möhren) allergische Beschwerden wie Juckreiz im Mund- und Rachenraum (orales Allergiesyndrom). Die Ursache hierfür sind Eiweiße in den Lebensmitteln, die den Allergenen von Pollen sehr ähnlich sind und deshalb zu Reaktionen des Immunsystems führen.

Von dieser als pollenassoziierter Nahrungsmittelallergie oder Kreuzallergie bezeichneten Reaktion besonders häufig betroffen sind in Zentraleuropa Menschen mit einer Birkenpollenallergie. Nun zeigt eine Studie aus Hannover, dass Lebensmittel mit Birkenpollen-ähnlichen Eiweißen auch die Hautbeschwerden von Birkenallergikern mit atopischer Dermatitis (AD) verschlimmern können – und das noch Stunden bis Tage später.

Für ihre Studie hatten Dr. Anja Wassmann-Otto und Kollegen vom Institut für Immundermatologie und Allergieforschung der Medizinischen Hochschule Hannover 182 Kinder und Erwachsene mit AD und vermuteter Kreuzallergie einer placebokontrollierten Testung mit Nahrungsmitteln unterzogen (n=103). Dabei verkosteten die Studienteilnehmer Apfel, Möhre, Sellerie und Haselnüsse. Allergische Reaktionen, die innerhalb von sechs Stunden nach dem Kontakt auftraten, definierten die Forscher als Sofortreaktion. Daneben bestimmten die Wissenschaftler vor Studienbeginn die individuellen Antikörpertiter (IgE) und beobachteten die Hautbeschwerden der Studienteilnehmer über zwei Tage hinweg.

Nach dem Kontakt mit den getesteten Lebensmitteln traten bei 65 Patienten allergische Reaktionen auf, bei knapp der Hälfte dieser Teilnehmer (n = 32) und insgesamt 37% aller Testungen verschlechterte sich auch die AD deutlich. Eine solche Verschlechterung trat unabhängig davon auf, ob die Betroffenen eine sofortige Reaktion auf die Lebensmittel zeigten oder nicht. Von den untersuchten Lebensmitteln löste vor allem der Sellerie die Reaktion der Haut aus, während Apfel, Möhre und Nüsse überwiegend zu sofortigen Beschwerden im Mund- und Rachenraum führten.

Kochen der Lebensmittel beeinflusste – anders als beim oralen Allergiesyndrom – ihre Wirkung auf die Haut nicht. Ein Vergleich der IgE-Titer ergab, dass Teilnehmer mit allergischen Reaktionen nach dem Kontakt zu Apfel, Möhre und Co. deutlich höhere Antikörperspiegel gegenüber Birkenpollen und Apfel aufwiesen und häufiger unter Heuschnupfen litten als Probanden ohne Kreuzallergie. Keinen immunologischen Unterschied fanden die Forscher hingegen zwischen Patienten, die sofort auf die Nahrungsmittel reagierten, und solchen, deren Ekzem sich erst später verschlechterte.

Wassmann-Otto und Kollegen schlussfolgern daraus, dass bei einigen Patienten mit atopischer Dermatitis und einer Birkenpollenallergie pollenassoziierte Nahrungsmittel als Trigger für eine Verschlechterung des Ekzems fungieren. Parameter, die eine verzögerte Hautreaktion auf den Kontakt zu den Nahrungsmitteln vorhersagen können, fehlen derzeit noch, deshalb könne auf eine Provokationstestung, wie sie in der Studie durchgeführt wurde, auch bei Patienten mit AD nicht verzichtet werden, so die Autoren.